Donnerstag – von Touristen, der Queen und umgedrehten Schiffskörpern

Der Weg zwischen Nethy Bridge und Aviemore ist circa 17 Kilometer land, an easy walk. Keine Steigung und breite Wege, die entlang von Feriensiedlungen verlaufen. Tagesausflügler und Radfahrer sind unterwegs, aber wir sehen kaum Schafe. Nadelwald und Heidekraut wechseln sich ab. Birken, Farne und Blumen. Morgens jagen sich im Cairngorms National Park in der Nähe von Nethy Bridge zwei Rehe. Etwa 20 Meter entfernt von uns springen die hellbraunen, wendigen Körper durchs Unterholz. Nachdem wir in den letzten Tagen nur wenig anderen Wanderern auf dem Speyside Way begegnet sind, ist heute einiges los. Freundliches Grüßen und weiter stapfen. Ich vermisse das Blöken der Schafe in den unterschiedlichsten Tonlagen. Wie in den letzten Tagen hören wir ab und zu von der Ferne einen Schuss. Laut Reiseführer beginnt die Jagdsaison – zumindest auf Moorhühner – aber eigentlich erst ab Mitte August.
Der Speyside Way endet in Aviemore, einem kleinen touristischen Ort mit Kneipen, Pubs und Läden für Outdoorbekleidung entlang der Main Road. Es ist mit Abstand der größte Ort in den letzten Tagen. Im Wohngebiet ist sicher jedes fünfte Haus ein Bed & Breakfast. Unsere Unterkunft ist das Eriksay B&B gegenüber der Zahnarztpraxis des Highlands-Städchens. Zur Begrüßung bekommen wir stilecht tea with milk und Haferkekse serviert, im Fernsehen flimmert eine Reportage über die Queen. In ihre Handtasche (200 Stück besitzt sie, alle vom gleichen Hersteller) trägt sie stets ein Jugendfoto ihres Manns, eine kleine Kamera und einen Haken bei sich, mit dem sie die Tasche an den Tisch hängen kann. Dadurch muss sie sich nicht unmajestätisch bücken, wenn sie nach einem Taschentusch kramt. Heute sind Pat und ihr Mann ziemlich beschäftigt, denn die neue Ferienhütte kommt. Eine zweite steht bereits im Hof. Sie sieht aus wie ein umgedrehter Schiffskörper aus Holz mit überdimensionalem Bullauge. Innen ist die Hütte für 2 Personen ähnlich wie ein Wohnwagen eingerichtet, allerdings mit Flachbildfernseher und Dockingstation für den iPod. Die „Armadilla“ werden in Edinburgh gebaut und schlüsselfertig geliefert. Nur noch Wasser und Strom anschließen, et voilá. Pat ärgert sich ein bisschen über den verzögerten Baufortschritt. Eigentlich sollten bis März schon fünf Hütten stehen. Sie platzen mit ihren drei Gästezimmern im Haus schon aus allen Nähten und müssen ständig Touristen abweisen. Es ist eine sehr erfolgreiche Saison, das haben auch schon andere entlang des Speyside Way berichtet. Gerade aus Skandinavien kämen immer mehr Gäste, weil dort der Whiskey in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewonnen hat. Aber jetzt ist es August und es kommt erst die zweite Hütte. A missed season.

Die zweite Hütte wird geliefert
Die zweite Hütte wird geliefert

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